Geheimdienst FSB ermittelt gegen Prigoschin


Wagner-Chef ruft zu Meuterei auf

Der Machtkampf zwischen Wagner-Truppe und russischer Armee eskaliert: Wagner-Chef Prigoschin wird Meuterei vorgeworfen, gegen ihn wird ermittelt. Er schickt Söldner nach Russland.

FSB-Ermittungen gegen Wagner-Chef Prigoschin. Er hatte zum Sturz der russischen Militärführung aufgerufen.
  • Der russische Inlandsgeheimdienst FSB hat ein Strafverfahren gegen Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin eingeleitet
  • Dem Söldner-Chef wird Aufruf zu einem bewaffneten Aufstand vorgeworfen
  • Prigoschin hatte zuvor zu einem „Marsch für die Gerechtigkeit“ aufgerufen, um Verteidigungsminister Schoigu zu stürzen
  • Er warf der russischen Militärführung vor, ein Wagner-Truppenlager angegriffen zu haben

Der russische Geheimdienst FSB hat den staatlichen Nachrichtenagenturen Tass und Ria Novosti zufolge ein Strafverfahren gegen den Söldnerchef Jewgeni Prigoschin eröffnet. Diesem werde Aufruf zu einem bewaffneten Umsturz vorgeworfen, melden die Agenturen unter Verweis auf eine Mitteilung des Nationalen Anti-Terror-Komitees. Wagner Söldner wurden offenbar vom russische Inlandsgeheimdienst FSB aufgefordert, Prigoschin festzunehmen.

Laut einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur Tass sind die Sicherheitsvorkehrungen in Moskau angesichts der unklaren Lage verschärft worden. Alle wichtigen Einrichtungen, „staatlichen Organe“ und die Verkehrsinfrastruktur würden besonders geschützt, heißt es unter Berufung auf einen Vertreter der Sicherheitsbehörden.

Prigoschin: Wagner-Söldner in Russland

In der Nacht meldete sich Prigoschin zu Wort und behauptete, er habe mit seinen Söldnern die Grenze von der Ukraine nach Russland überquert. Die Information ließ sich zunächst nicht bestätigen. In einer Telegram-Nachricht sagte der Wagner-Chef, sie hätten die südrussische Stadt Rostow erreicht. Sie seien bereit, „bis zum Äußersten“ gegen das russische Militär vorzugehen. Er und seine Männer würden jeden vernichten, der sich ihnen in den Weg den Weg stelle.

Prigozhin behauptete zudem, Generalstabschef Waleri habe den Befehl gegeben, einen Wagner-Konvoi aus der Luft anzugreifen. Die Piloten hätten sich aber geweigert.

Kreml: „Notwendigen Maßnahmen“ werden ergriffen

Den Agenturen zufolge ist auch Präsident Wladimir Putin über alle Prigoschin betreffenden Vorgänge unterrichtet. Die „notwendigen Maßnahmen“ würden ergriffen, wird Kreml-Sprecher Dmitri Peskow zitiert. Zuvor hatte Prigoschin über seinen Telegram-Kanal angekündigt, Verteidigungsminister Sergej Schoigu stürzen zu wollen und dazu aufgerufen, sich gegen die russische Militärführung aufzulehnen.

Dem russischen Militär warf Prigoschin vor, ein Wagner-Truppenlager bombardiert zu haben. Durch die Angriffe sei eine „sehr große“ Zahl an Wagner-Söldnern getötet worden, so Prigoschin. Das russische Verteidigungsministerium wies diesen Vorwurf zurück.

Prigoschin ruft russische Truppen zur Meuterei auf

In einer Audiobotschaft am Freitag sagte der Wagner-Chef: „Wir sind 25.000.“ „Alle, die sich uns anschließen wollen“, rief er dazu auf, „dem Chaos ein Ende zu bereiten“. Es handele sich nicht um einen Putsch, sondern um einen „Marsch für die Gerechtigkeit“, sagte Prigoschin.

„Wir waren bereit, Zugeständnisse an das Verteidigungsministerium zu machen, unsere Waffen abzugeben“, sagte Prigoschin. Dennoch hätten „sie Raketenangriffe auf unsere hinteren Feldlager ausgeführt“. Das Verteidigungsministerium in Moskau nannte diese Aussagen Prigoschins eine „Provokation“, sie stimmten nicht mit der Realität überein.

Russlands Generalstaatsanwaltschaft rechtfertigte indessen die Einleitung des Verfahrens durch den Geheimdienst FSB als „legal und begründet“. „Für so ein Verbrechen ist ein Freiheitsentzug zwischen zwölf und 20 Jahren als Strafe vorgesehen“, heißt es in einer Erklärung der Behörde.

Prigoschin: Krieg wird unter Vorwand geführt

Bereits zuvor am Freitag war der Streit zwischen Wagner-Chef und dem russischen Verteidigungsministerium eskaliert: Jewgeni Prigoschin warf dem russischen Verteidigungsministerium in drastischen Worten vor, die Bevölkerung zu belügen – und stellt sogar die offizielle Begründung Russlands für den Angriffskrieg in der Ukraine infrage:

„Das Ministerium täuscht die russische Gesellschaft und den Präsidenten und erzählte eine Geschichte, dass von der Ukraine eine wahnsinnige Aggression ausginge und sie uns zusammen mit der Nato angreifen würden“ – nur deshalb sei die Spezialoperation begonnen worden, sagte er am Freitag in einem 30-minütigen Video auf seinem Kanal im Messenger-Dienst Telegram.

Wofür benötigte es den Krieg? Der Krieg wurde gebraucht, dass ein Haufen Kreaturen aufsteigen und zeigen konnte, wie stark die Armee sei.

Wagner-Chef Jewegeni

Prigoschin: Kiews Armee drängt Russen zurück

Prigoschin gibt also zu, dass die offizielle Begründung Russlands für den Krieg in der Ukraine nur ein Vorwand war und stellt sich damit erneut direkt gegen Verteidigungsminister Schoigu.

Der Wagner-Chef wirft dem Ministerium auch vor, Truppen angesichts der ukrainischen Gegenoffensive aus dem Süden und dem Osten der Ukraine zurückzuziehen.

Wir waschen uns in Blut. Niemand bringt Verstärkung. Was sie uns erzählen, ist eine bittere Täuschung.

Jewgeni Prigoschin, Wagner-Chef

Dabei widersprach Prigoschin direkt den Aussagen des russischen Präsidenten Wladimir Putin, der von „katastrophalen“ Verlusten beim Gegner und einer Flaute bei der Gegenoffensive der ukrainischen Seite gesprochen hatte.

Prigoschin als vehementester Kritiker der militärischen Führung

Die zu einem beträchtlichen Teil aus russischen Gefängnissen rekrutierten Prigoschin-Söldner haben bei den russischen Kämpfen in der Ukraine eine zentrale Rolle gespielt. Ganz besonders prominent traten die Kämpfer des 62-jährigen Geschäftsmanns mit ehemals guten Kreml-Verbindungen bei der langwierigen und blutigen Einnahme von Bachmut in der Region Donezk auf.

https://www.zdf.de/nachrichten/heute-19-uhr/gefechte-bachmut-ukraine-gegenoffensive-video-100.html

In den vergangenen Monaten hat sich Prigoschin – frustriert über Nachschubprobleme und mangelnde Unterstützung durch Moskau – über seinen Telegram-Kanal zu einem der vehementesten Kritiker der militärischen Führung Russlands entwickelt.


Schreibe einen Kommentar