Die Milchmädchenrechnung des Kanzlers


Die Deutschen sollen künftig mit Wärmepumpen statt mit konventionellen Gas- und Ölanlagen heizen, der benötigte Strom soll aus Sonnen- und Windenergie gewonnen werden. Der Kanzler rechnet daraus ein Wirtschaftswunder hoch. Doch teure Ersatzbeschaffungen schaffen keinen Wohlstand. Von Michael W. Alberts

Es ist ja offensichtlich alles gut in diesem Land – zumindest wenn man den „Wachstums“-Versprechungen des Kanzlers vertraut. Dessen Behauptung, mit Deutschland werde es bald so richtig vorangehen, da zugunsten der angestrebten „Klimaneutralität“ unvorstellbare Summen investiert würden, ist allerdings nicht mehr als naiver Blödsinn – bestenfalls, sonst müsste man von Propaganda sprechen.

Mit den geplanten Ausgaben in Höhe von Hunderten von Milliarden Euro wird nämlich kein wirklicher Wohlstand geschaffen: Bestens funktionierende Technik wird auf den Müll gezwungen, um angeblich CO2 zu vermeiden und Energie zu sparen. Neue Technik ersetzt die alte, aber zu extravaganten Preisen. Auch das ist eine Art von Inflation und verkehrt die Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte in ihr Gegenteil.

Da war es so gewesen, dass beispielsweise ein VW-Golf kaum im Preis stieg, man aber für das gleiche Geld ein stetig verbessertes Auto erhielt – elektrische statt mechanischer Fensterheber, sparsamere Motoren, serienmäßige Klimaanlage. Heute geht es darum, eine funktionierende Gas- oder Ölheizung, für die noch gar keine Ersatzbeschaffung anstünde, in eine viel teurere Heizanlage auf Basis einer strombetriebenen Wärmepumpe zu tauschen. Für die gleiche Leistung – eine Heizung, um die Wohnung warm zu bekommen – muss man nun deutlich mehr Geld ausgeben.

Erzwungene Ersatzbeschaffungen gefährden den materiellen Wohlstand. Zwar wird das Bruttoinlandsprodukt (BIP; der Gesamtwert aller innerhalb eines Jahres als Endprodukte hergestellten Waren und Dienstleistungen nach Abzug aller Vorleistungen) rechnerisch hochgetrieben, der sogenannte „Wohlstandsindikator“ erweist sich jedoch als statistischer Eckwert von fragwürdiger Aussagekraft. So wird zwar nach dem Einbau der Wärmepumpe nach wie vor die Wohnung warm, aber das Geld, das für die Ersatzbeschaffung ausgegeben wurde, steht für andere Güter oder Dienstleistungen nicht mehr zur Verfügung. Das Geld, das man für den Austausch einer noch funktionierenden Heizung ausgegeben hat, kann man nicht noch einmal für eine Urlaubsreise ausgeben.

Kritiker des „Wachstumsdenkens“ haben auf diese Unzulänglichkeit des BIP aus dem Blickwinkel der Gegnerschaft zu Materialismus und Konsumismus durchaus zu Recht seit Jahrzehnten hingewiesen: Ein höheres BIP lässt sich nicht eins zu eins in „Lebensqualität“ übersetzen, Wirtschaftswachstum garantiert nicht unbedingt ein lebenswerteres Gemeinwesen. Willy Brandt fasste das im Bundestagswahlkampf 1961, den er krachend gegen Konrad Adenauer verlor, in den Slogan: „Der Himmel über der Ruhr muss wieder blau werden“.

Es ist ein Treppenwitz der Geschichte, wenn nun von Brandts Nachfolgern das BIP-Wachstum als Folge der „großen Transformation“ als Beleg für wachsenden Wohlstand herangezogen wird. Das BIP wächst auch, indem man Leute Löcher baggern und wieder zuschaufeln lässt – aber ohne dass etwas Funktionales entsteht, ist BIP-Wachstum sinnlos. Nun plötzlich wendet SPD-Kanzler Scholz seinen – eigentlich sinnvollen – Blick ab von dem, wofür die nackten ökonomischen Zahlen in der Realität überhaupt stehen, und behauptet, was man früher lebhaft bestritten hat: Mehr BIP bringt uns alle voran, und das Leben wird wieder schön. Nein, wird es nicht. Ganz im Gegenteil.

Die vordergründige Kanzlerlogik ist aber nicht nur wegen der Diskrepanzen zwischen BIP-Zahlen und Lebensqualität irreführend. Nein, Scholz’ ökonomistische Zirkusnummer ist auch in sich nicht tragfähig: Von der angeblich lebensnotwendigen „Klimaneutralität“ ausgehend, wird – im Prinzip zutreffend – erkannt, dass für die „große Transformation“ ein irrwitziger Aufwand getrieben werden muss. Was eigentlich abschrecken müsste, wird nun propagandistisch als Riesenvorteil dargestellt und neu gerahmt („Framing“): Es wird unterstellt, dass kein Weg daran vorbeiführe, diesen Weg bis zum Ende zu gehen und die entsprechenden Summen zu investieren – so werde man unweigerlich gewaltiges Wirtschaftswachstum erzwingen.

Aber wer soll denn die angeblich unvermeidlichen gewaltigen „Investitionen“ veranlassen? Nur die Politik kommt dafür infrage. Abgesehen von ein paar ganz „vorbildlichen“ Bürgern, die sich freiwillig einen überteuerten Tesla zulegen und sich einbilden, sie täten damit etwas für das Weltklima, erfordert die strikte Vermeidung jeglicher CO2-Emission nach dem Rezept der Bundesregierung ganz offensichtlich staatlichen Zwang.

Zwang versus Markt

Wenn die Leute anstelle eines klobigen Röhrengeräts einen eleganten Flachfernseher mit Kinoqualität haben können, geben sie das Geld freiwillig aus. Eine Wärmepumpe, die ohne massive Dämmung (wie an neuen Gebäuden) technisch überfordert ist und im Winter gar nicht genug Heizkraft entwickelt, muss hingegen gesetzlich vorgeschrieben werden. Damit wird die Marktwirtschaft, wie von Ludwig Erhard beschrieben und gefördert, auf den Kopf gestellt. Nicht nur weil nach grünem Willen der materielle Wohlstand der Bürgerinnen und Bürger massiv beschnitten anstatt ausgebaut wird, sondern weil Marktwirtschaft voraussetzt, dass sich Anbieter und Verbraucher frei orientieren und entscheiden können – nach individueller Vorliebe und Einschätzung des Werts möglicher Produkte und Dienstleistungen.

Der Eingriff in die Ausgabenautonomie wird auch durch die Versicherung des Kanzlers – dass es sein müsse – nicht besser

Wenn der Staat unter dem Vorwand angeblichen Marktversagens die Lenkung übernimmt, schränkt er die individuelle Freiheit der Akteure im Markt massiv ein oder schaltet sie ganz aus. Die intransparent wuchernde Plantechnokratie erwürgt durch immer detailfreudigere Steuerung auch die Effizienz, die Fähigkeit zur Selbstkorrektur und die Innovationskraft der unternehmergetragenen Wirtschaft. Der „Klimasozialismus“ schwächt das Gemeinwesen strukturell – nur die Mächtigen werden stärker.

Das gilt umso mehr, als eben nicht „nur“ höchst anspruchsvolle Ziele für Ausmaß und Tempo der CO2-Minderung gesetzt, sondern Technologiewege bis ins Detail vordefiniert werden – als ob jemals irgendeine bahnbrechende Erfindung einem Funktionärskomitee gelungen wäre. Letztlich ist die politische Fixierung auf bestimmte Technologien aber vor allem ex negativo zu verstehen: Es geht im Kern darum, unliebsame Produkte mit Macht aus der Lebenswirklichkeit der Gesellschaft zu tilgen.

Gleichzeitig verdienen bestimmte Kreise mit den übrig bleibenden, noch erlaubten oder gar vorgeschriebenen Technologien viel Geld. Wer glaubt, es gehe allen „um die gute Sache“, es gebe keine Korruption und keinen gierigen Lobbyismus, während – wie Kanzler Scholz freudig verspricht – per politischer Gängelung Hunderte Milliarden umverteilt werden.

Es ist also letztlich die Politik, die das Geld in die Hand nimmt oder private Akteure zwingt, ebendies zu tun – es kommt aufs Gleiche raus. Schon vor rund zwanzig Jahren behauptete die damalige nordrhein-westfälische Umweltministerin Bärbel Höhn in Fernsehsendungen, die Subventionierung von Wind- und Solarenergie sei überhaupt keine Subventionierung, sondern eine „Umlage“ zwischen den Verbrauchern – als ob Letztere sich aus staatsferner Privatinitiative freiwillig quasi genossenschaftlich verbündet hätten.

Indirekte Enteignung

Das Geld, das der per Gesetz gezwungene Eigenheimbesitzer in Wärmedämmung oder die Anschaffung einer Wärmepumpe (statt etwa in eine Gasheizung) zu stecken hat, fehlt ihm automatisch für andere Dinge, die er sich, wie oben schon angerissen, vielleicht lieber gönnen würde. Der Eingriff in die Ausgabenautonomie des Bürgers wird auch durch die Versicherung des Kanzlers – „weil es nun einmal sein muss“ – nicht weniger drastisch.

Zusätzliche Kaufkraft kommt nur in die Welt, wenn die Zentralbank neues Geld „druckt“, das sie den Banken zur Übernahme der zusätzlichen Verschuldung der Regierungen zur Verfügung stellt. Diese können dann mit allerlei Förderprogrammen das Geld unter die Leute bringen. Aber spätestens an dieser Stelle beißt sich die Katze in den Schwanz: Ist mehr Geld im Umlauf, ohne dass mehr tatsächliche (materiell greifbare) Wertschöpfung betrieben wird, wird nur ein anderes Problem in die Welt gesetzt: Inflation.

Und das ist nun die eigentliche Mogelpackung, die Scholz uns andrehen will: Der Staat kann zwar damit „einkaufen“ gehen und „in die Zukunft investieren“, aber per Inflation bezahlen faktisch die Bürger und Verbraucher. Man kann das als Umverteilung von Privaten an den Staat begreifen – oder weniger diplomatisch als Diebstahl. Erwerbstätige bekommen für die gleiche Arbeit immer weniger Kaufkraft, während die Politik großzügig „Transformations“-Projekte finanziert.

Womit wir wieder beim „neuen Wirtschaftswunder“ sind. Bestenfalls müsste es so funktionieren, wie sich John Maynard Keynes in seiner „General Theory“ die Globalsteuerung der Konjunktur vorgestellt hatte: Der Staat schiebt mit Ausgabenprogrammen die Wirtschaft an, schafft eine neue, hoffentlich selbsttragende Dynamik und zieht sich wieder zurück. Das könnte auf zwei Mechanismen beruhen. Der eine wäre, dass aus dem produktiven Erwerbsleben ausgeschiedene Arbeitnehmer dort wieder integriert werden; der andere Mechanismus, dass man durch Förderung Sprünge in der technischen Effizienz und Produktivität der Wirtschaft auslöst.

Beides scheint auf das Scholz’sche Wirtschaftswunder nicht zuzutreffen. Der akute Fachkräftemangel quer durch alle Wirtschaftsbereiche spricht gegen eine solche Anschubwirkung. Man kann die Facharbeiter der Automobilindustrie vermutlich umschulen auf die Produktion von Wärmepumpen, aber dadurch wird kein Wachstum erzielt – denn es werden nur andere Güter produziert, die die Bevölkerung weniger nützlich findet. Auch die Anschubfinanzierungen für neue Technologien erzeugen keinen selbsttragenden Aufschwung. Da die Windkraft aus physikalisch-technischer Sicht trotz gigantischer Subventionen und erzwungener vorrangiger Einspeisung in die Netze eine ineffiziente Form der Energieerzeugung bleibt, mag sich einfach keine Eigendynamik einstellen.

Ähnliches gilt für die Wärmedämmung: Wenn sich für einen Altbau selbst angesichts massiv gestiegener Energiepreise ein Umbau nicht lohnt, dann stellt auch der durch EU-Vorgaben erzwungene Umbau keinen Effizienzfortschritt dar. Würde er sich finanziell rentieren, vielleicht unterstützt von KfW-Krediten, brauchte man keine Vorgaben.

Teure Energie treibt Inflation

In diesem Zusammenhang darf etwas sehr Grundlegendes nicht übersehen werden: Natürlich beruht unser materieller Wohlstand auf Erfindungen, Innovation, effizienter industrieller Produktion, Arbeitsteilung, internationalem Austausch – aber vor allem beruht er auf dem Einsatz preiswerter Energie. Die industrielle Revolution basierte auf Dampfmaschine und Kohleverbrennung. Der „Trick“ bestand im Kern nicht darin, die Arbeiter in der Fabrik irgendwie „schlauer“ an die Sache herangehen zu lassen, sondern ihre Kräfte durch gewaltige Maschinen zu vervielfältigen. Man kann solche Maschinen im Verlauf des technischen Fortschritts effizienter machen oder Produktionsprozesse intelligenter planen, aber die Energie bleibt immer der eigentliche Hebel des Fortschritts.

Man sieht das auch an den Großbaustellen unserer Tage wie „Stuttgart 21“ oder den „Windfarmen“, die überall errichtet werden. Sie sind nur möglich, weil gewaltige Baumaschinen mit Dieselmotoren die Arbeit erledigen. Gar nicht zu reden von den monströsen Minen in Übersee, in denen Kupfer, Lithium, Kobalt und seltene Erden gefördert werden, ohne die beispielsweise die Elektromobilität nicht funktioniert.

Das Geld, das ein Eigen­heimbesitzer
gezwunge­nermaßen in Wärme­dämmung
oder die Anschaffung einer Wärme­pumpe zu stecken hat,
fehlt ihm für andere Dinge

Fossile Energieträger sollen nun möglichst vollständig durch Erneuerbare abgelöst werden. Deren Nachteil: Sie sind nicht grundlastfähig und in der Regel deutlich teurer. Energie als fundamentale Voraussetzung materiellen Wohlstands wird damit knapper und kostspieliger. Das ist zwar aus grüner Sicht gerade der Sinn der Sache (ein zentrales Instrument, um „die Welt zu retten“), doch dieser technikgeschichtlich entscheidende Wirkhebel volkswirtschaftlicher Effizienz und daraus entstehenden Wachstums wird nun aufs Spiel gesetzt. Die Entwicklung der Wirtschaft wird gefährdet, nicht gestärkt. Das Wunder wird wohl ausfallen.

Wenn „Anschieben“ à la Keynes nicht funktioniert, muss die Politik ein nominelles Wachstum bis zum bitteren Ende erzwingen, indem sie Geld „herbeizaubert“ und in den Großumbau steckt. Aber wie gesagt, so entsteht kein reales Wachstum, nur die Inflation beschleunigt sich. Hohe Preissteigerungsraten wiederum vernichten Vertrauen, Planungssicherheit und Investitionsbereitschaft quer durch die Wirtschaft. Der Traum vom ewigen Megawachstum erweist sich schnell als Fata Morgana.

Was kostet die Welt?

Aufgrund übermütig angehäufter Staatsschulden und disruptiver Inflation brechen die Finanzkreisläufe irgendwann zusammen. Per „Währungsreform“ kann der Staat sich zwar entschulden, aber das Problem wird dadurch nicht gelöst, sondern geht nur von vorn los – weil es immer noch keinen technisch basierten Effizienzfortschritt gibt und erst recht kein Geld mehr herumliegt, das man investieren könnte. Über den in diesem Fall ausbrechenden sozialen Unfrieden will man lieber gar nicht nachdenken.

Nun ist aber noch eine nähere, ökonomisch konkretisierte Betrachtung dessen fällig, was in der Sache angeblich lebensnotwendig ist: die „Klimaneutralität“ der Gesamtwirtschaft. Sie ist aus vielen objektiven, physikalischen, geologischen und weiteren Gründen ohnehin eine Fiktion. Aber wenn es doch ginge – zu welchem Preis, auf welchem Pfad?

Die Grenzkosten, also die Kosten für jede weitere vermiedene Tonne Kohlendioxid, werden immer höher. Schließlich haben wir die niedrig hängenden Früchte als erste geerntet. Die steigenden Grenzkosten müssten dann schon überkompensiert werden, indem jemand eine Technik erfindet, mit der man Energie quasi per Zauberstab erzeugen kann. Je knapper und teurer Energie als eigentliche Quelle materiellen Wohlstands wird, desto kostspieliger wird jegliche materielle industrielle Produktion, auch von Eisenbahnstrecken und Windparks. Das ergibt eine Aufwärtsspirale, in der wir erschöpft verhungern werden.

Schon heute kostet Strom bereits deutlich mehr, obwohl Wind und Solar nur ein Drittel des elektrischen Bedarfs respektive ein Achtel des gesamten Primärenergiebedarfs in Deutschland bereitstellen. Von diesem Level aus wird es nun rasant teurer, zum Beispiel mit dem Einstieg in die Wasserstoffwirtschaft mit miserablen Gesamtwirkungsgraden. Wenn man jede Kilowattstunde aus Wind mehrfach umwandeln muss, bis Stahl mit Hydrogen „gekocht“ werden kann, steigen auch die Kosten um ein Mehrfaches. Ähnliches gilt für andere sogenannte „Stromspeicher“.

Schon aufgrund der heutigen Energiekosten „hört ein Industriebetrieb nach dem anderen einfach auf zu produzieren“, wie es Robert Habeck in seiner unnachahmlichen Art im vergangenen Herbst konstatierte – um das böse Wort „Insolvenz“ nicht in den Mund nehmen zu müssen. Dieser Prozess wird sich mit steigenden Energiekosten eher verstärken.

Nicht einmal die wunderbare neue Klimaneutralitätstechnik kann man in Deutschland herstellen, sondern muss sie von woanders importieren, denn bei uns lässt sich eben nicht mehr konkurrenzfähig produzieren. Die Verdrängung der Industrie in alle Welt vermeidet natürlich kein CO2, sie verteilt es nur global um. Auch hier macht sich die deutsche Politik etwas vor.

Wir könnten Europa protektionistisch vom Weltmarkt abschotten, aber auch dann beißt sich die Katze in den Schwanz: Mit unserem absurd unzureichenden Ökostrom kann man keine weiteren Abertausende von Windrädern „klimaneutral“ bauen, bei uns würde dazu ebenso Kohlestrom gebraucht wie in China. Außerdem: Egal wie massiv unsere Protektionismusstrategie ausfällt, wir brauchen immer noch jede Menge Rohstoffe aus aller Welt, die wiederum nicht „klimaneutral“ gewonnen werden (können).

Nicht mal Fantasterei funktioniert

Das Grundproblem ist: Es soll ein riesiger industrieller Apparat für ineffiziente „klimaneutrale Energie“ aufgebaut werden – was bis heute nur mit fossiler Energie möglich ist, weil das bisschen Ökostrom nicht mal annähernd fürs tägliche Leben reicht. Man muss erst einen gigantischen Vorlauf realisieren, sodass „von da aus“ CO2-freies Wirtschaften stattfinden könnte.

Den ökosozialistischen Lauf halten aber weder Ochs noch Esel auf, also setzen wir das Gedankenexperiment noch einen Schritt fort: Wo kommt die fossile Energie für den „Anlauf“ her? Wir sind ja nicht einmal bereit, unser eigenes Erdgas zu fördern. Die Problemregierungen zwischen Caracas, Riad, Teheran und Moskau freuen sich auf jeden Fall über die Zusatznachfrage.

Wie bezahlen wir die Unmengen fossiler Energie für die Erschaffung der Ökostrom-Energie-Utopia? Haben wir überhaupt noch etwas zu verkaufen oder einzutauschen, wenn wir schon alle verfügbaren Facharbeiter und Fabriken zur Ökotransformation zwangsverpflichten?

Baron Münchhausen kann sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen. Kanzler Scholz wird das nicht gelingen

Und selbst wenn noch etwas für den Export übrig bliebe: Wie sollte das auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig sein, bei unseren Energiekosten, die wir innerhalb unseres Protektionismusregimes immer höher treiben? Aber Moment mal … (Habeck denkt nach) … wir brauchen die Exporte ja nur massiv zu subventionieren! Sicher, warum nicht, was kann schon schiefgehen? Der Staat druckt noch mehr Geld, das er den deutschen Fabriken und Arbeitern in die Hand drückt, und alle gehen zufrieden nach Hause.

So eine Strategie funktioniert nur im Märchen: Baron Münchhausen kann sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen. Kanzler Scholz wird das nicht gelingen. Die kühne große „Transformation“, die Scholz von Angela Merkel geerbt hat, kann man sich nicht mal in einem freischwebend philosophierenden Gedankenexperiment als machbar vorstellen. Es gibt keinen Umbau der deutschen und europäischen Wirtschaft zur „Klimaneutralität“. Keine Strategie kann die logischen und ökonomischen Grundwidersprüche aushebeln.

Die gnadenlos ignorante Inkompetenz der „Eliten“ in Brüssel und Berlin bei der Umsetzung egal welcher großkotzigen Strategie ist insoweit nur das Sahnehäubchen obendrauf. Man kann den blühenden Unfug erkennen, indem man wie vorstehend abstrakt nach einer Umsetzungsstrategie fragt.

Zu einem ähnlich frappierenden Ergebnis führt eine globale Kostenbetrachtung: Wie viel vom BIP kann man in CO2-Vermeidung „investieren“, ohne dass der gesellschaftliche Esel unter der Last kollabiert?

Vermeidungskosten astronomisch

Einen Teil der heutigen annähernd vier Billionen Euro jährlich muss man vorweg als quasi nur imaginäres Potenzial an „Wertschöpfung“ abziehen, weil schuldenfinanziert – zugunsten rein konsumtiver, nicht produktiver Ausgaben, die den realen wirtschaftlichen Niedergang künstlich zudecken.

Aus der Welt schaffen sollen wir noch fast 700 Millionen Tonnen CO2. Wir sind aber heute schon – in vielen zentralen Aktionsfeldern – bei Vermeidungskosten von Hunderten Euro je Tonne. Laut „Energiewende-Index“ von McKinsey wird die Stromversorgung Deutschlands von 2010 bis 2025 um mehr als 20 Milliarden Euro teurer, als jährlicher Zusatzaufwand.

Selbst wenn mit jeder Kilowattstunde aus Windkraft ein ganzes Kilogramm CO2 vermieden würde (durch Ersatz von Kohlestrom), braucht es 1000 Kilowattstunden für eine Tonne. Selbst wenn in naher Zukunft eine Jahresproduktion aus Wind und Solar von 200 Terawattstunden erzielt würde, reicht das nur für 200 Millionen Tonnen CO2, die wir schon eingespart hätten. Im Vergleich zur Atomkraft werden mit dem Umstieg auf Solar- und Windkraft in China zusätzlich Emissionen provoziert, weil Windkrafttechnik und Solarpaneele dort mit immer mehr Kohlestrom produziert werden.

Die 20 Milliarden Euro jährlicher Zusatzkosten verteilen sich auf die fiktiv vermiedenen 200 Millionen Tonnen zu 100 Euro je Tonne, aber schon weil die Vergleichsbasis nur bis 2010 reicht, sind die Zusatzkosten noch gar nicht vollständig erfasst. Hier die Kontrollrechnung: Nimmt man nur 20 Cent Aufschlag je Kilowattstunde im Strom-„Mix“ als durch die „Energiewende“ verursacht an und stellt sich (wohlwollend) jede Kilowattstunde durchschnittlich um ein Viertelkilo CO2 verschlankt vor, kommt man auf Vermeidungskosten von 800 Euro je Tonne.

Es bleibt aber nicht beim Extraaufwand für den Ökostrom, das ist ja nur die Basis. Will man Energieverbrauch auf Ökostrom umstellen, etwa durch Elektroautos, entstehen noch viel höhere Kosten, vor allem für wiederum CO2-belastete Batterien (aus China). Selbst wenn man über die Lebensdauer eines solchen Autos im Vergleich zum Diesel-Pkw pro km 50 Gramm CO2 vermeiden könnte, müsste man für eine ganze Tonne 20.000 Kilometer fahren. Das kostet per Anschaffung leicht einen Tausender, anteilig.

Ähnliches gilt für die immer ausgefeiltere Effizienztechnik in deutschen Premium-Pkw, mit mindestens Hunderten Euro Vermeidungskosten je Tonne CO2. Noch grotesker ist es beim „Umsteigen auf Bus und Bahn“: Selbst unter schönfärbend wohlwollenden Annahmen liegen die Subventionen je fiktiv vermiedener Tonne CO2 bei mehreren Tausend Euro, sogar im Vergleich zu fabrikneuen Premiumautos.

2000 Euro je Familie und Monat

Rechnet man global für eine grobe Abschätzung zurückhaltend mit 500 Euro, multipliziert mit 700 Millionen Tonnen jährlich, die „klimaneutral“ entfallen sollen, ergibt das 350 Milliarden pro Jahr, praktisch ein Zehntel der gesamten deutschen Wertschöpfung. Die Last fällt unvermeidlich auf die privaten Haushalte.

In groben Zahlen bedeutet das eine Belastung von rund 1000 Euro je Privathaushalt und Monat. Bei einer vierköpfigen Familie bleiben anteilig 2000 Euro je Monat hängen. Und das gilt bei mittleren CO2-Vermeidungskosten von 500 Euro je Tonne; es kann auch teurer werden. Die Bevölkerung würde auf breiter Front verarmen.

Wenn man sich selbst bei fleißigem Arbeiten in Vollzeit
am Ende keinen privaten Konsum mehr leisten kann,
warum dann noch arbeiten?

Dieser Endzustand bei hypothetisch erreichter „Klimaneutralität“ muss allerdings auch wieder von vornherein Utopie bleiben. Wenn man sich selbst bei fleißigem Arbeiten in Vollzeit am Ende keinen privaten Konsum mehr leisten kann, warum dann noch arbeiten? Vernünftig ist dann, sich in der sozialen Hängematte bedingungsloses Grundeinkommen auszahlen zu lassen und vielleicht nebenher ein wenig schwarzzuarbeiten.

Die mögliche Wertschöpfung in Deutschland wird also schon „unterwegs“ zur Lösung der Klimafrage massiv gemindert: Betriebe müssten ihre Produktion mangels Arbeitskräften reduzieren, Steuereinnahmen würden wegbrechen, die Politik müsste Steuern weiter erhöhen oder die Inflation noch höher treiben beziehungsweise beides. Wirtschaften in Deutschland würde noch schneller noch weniger konkurrenzfähig, noch mehr Wertschöpfung würde wegbrechen.

Das Einzige, was man mit dieser Politik an Dynamik erzeugen kann, ist die Dynamik des Niedergangs – ein echter Teufelskreis sich gegenseitig verstärkender Mechanismen der Zerstörung. Das kann man auch „Rückbau“ nennen und mit ähnlich hämischer Freude betreiben wie die Stilllegung von Kraftwerken

Eine Besinnungspause wäre jetzt angezeigt. Am besten ein sofortiges Moratorium für die aktuelle „Klimaschutz“-Politik. Mit den von Robert Habeck angestoßenen und noch beabsichtigten Interventionen klimaneutralisieren wir uns sonst noch zu Tode. Als ob wir sonst keine Probleme hätten.


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