Konkurse in Österreich nehmen stark zu


Der Kreditschutzverband KSV 1870 hat eine Hochrechnung für die ersten drei Quartale 2022 veröffentlicht. Und sie zeigt, die Zahl der Insolvenzen hat massiv zugenommen. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum haben sie sich mit 3482 Fällen fast verdoppelt. Ebenso sind auch die Privatkonkurse um 24 Prozent angestiegen.

Um genau 92 Prozent sind die Insolvenzen in Österreich in den ersten neun Monaten 2022 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum angestiegen. Dies entspricht laut Kreditschutzverband KSV 1870 rund 13 Firmenpleiten am Tag. Zwar bewege man sich damit immer noch 9 Prozent unter dem Vergleichswert des letzten Vor-Corona-Jahres, aber “anhaltende Kostenexplosionen, gravierende Lieferengpässe und die schwierige Suche nach Personal sind nur einige wenige Faktoren, warum sich die wirtschaftliche Gesamtsituation zuletzt verschlechtert hat“, so Karl-Heinz Götze vom KSV 1870. Sorge macht dem Kreditschutzverband auch, dass sich die geschätzten Verbindlichkeiten um 88 Prozent auf bisher 1,4 Mrd. Euro erhöht haben. Zum Vergleich: 2019 lagen die Verbindlichkeiten im gesamten Jahr bei 1,697 Mrd. Euro, ein Wert der heuer wohl deutlich übertroffen werden dürfte.

Oberösterreich trauriger Spitzenreiter

Dabei gibt es kein Bundesland, wo die Zahl der Firmenpleiten nicht stark angestiegen wäre. Am massivsten war dies jedoch in Oberösterreich, wo es einen Zuwachs von 165 Prozent gab, gefolgt von Voralberg mit 161 Prozent. Die geringsten Pleiten gab es in der Steiermark mit +58 Prozent und im Burgenland mit + 60 Prozent. Wien, wo die Insolvenzen um 64 Prozent zunahmen, hatte gleichzeitig mit 1.235 Fällen die meisten Konkurse in absoluten Zahlen. Bei den geschätzten Passiva gab es teilweise explosionsartige Zuwächse. In Vorarlberg verzeichnete man einen Ansteig bei den Verbindlichkeiten um 260 Prozent. Im Burgenland und in Oberösterreich waren es 200 Prozent. Lediglich in Salzburg vielen sie mit – 10 Prozent geringer aus.

Handel am stärksten betroffen

Die meisten Insolvenzen gab es im Bereich des Handels und Instandhaltung/Reparatur von KfZ mit 644 Fällen, wobei davon rund 40 Prozent mangels Vermögen abgewiesen wurden. Aber auch die Bauwirtschaft mit 567 und der Bereich Gastronomie/Tourismus mit 422 Fällen haben stark zu kämpfen. Allein diese drei Bereiche machen gut die Hälfte der österreichischen Firmenpleiten aus. Zwar will man von Seiten des KSV 1870 noch nicht von einer Explosion sprechen – dafür sei es noch zu früh – allerdings sind die Zeichen alles andere als gut.

23 Privatinsolvenzen am Tag

Auch bei den Privatinsolvenzen ist ein starkes Plus von 24 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen. Dies entspricht durchschnittlich 23 Fällen am Tag. Vor allem die Inflation, gestiegene Energiekosten, Preissteigerungen im Supermarkt etc. belasten dabei die österreichischen Haushalte stark und sorgten dafür, dass die Zahl der Fälle auf 6.209 anstieg. Dass man derzeit noch um 13,5 Prozent unter dem Vorkrisenniveau von 7.174 Fällen bleibt, dürfte nicht von Dauer sein. Zwar vermutet man beim Kreditschutzverband, dass die aktuellen Anstiege auf die Insolvenznovelle des Vorjahres zurückgehen, die Erleichterungen, wie eine verkürzte Entschuldungsdauer für Schuldner brachte, aber die massiv steigenden Kosten werden in Zukunft ihre Auswirkungen haben. Für heuer rechnet man damit, dass die Zahl von rund 8.000 Privatinsolvenzen bis Jahresende erreicht werden. Dies wären 800 Pleiten mehr als im Vorjahr.


Schreibe einen Kommentar